Live-TV über 5G: Neue Netztechnologien ermöglichen zuverlässigere Sportproduktionen
09. Oktober 2026
Vodafone, Telefónica und Deutsche Telekom haben gemeinsam mit RTL Deutschland erstmals im Praxiseinsatz erprobt, wie Mobilfunknetze die TV-Produktion der Zukunft zuverlässig unterstützen können. Bei einem DFB-Pokal-Erstrundenspiel übertrugen die Partner zentrale Produktionssignale über ihre Mobilfunknetze – mithilfe neuer 5G-Technologien, um den hohen Anforderungen eines Live-Sportevents an Bandbreite, Latenz sowie Bild- und Sprachqualität zu entsprechen. Der Test zeigte, wie sich mit einer „Quality on Demand“-Schnittstelle („API“) und der „Network Slicing“-Technologie netzseitige Qualitätsparameter entsprechend den Anforderungen einer TV-Produktion bereitstellen lassen. In Zukunft könnten Netzwerk-APIs es auch ermöglichen, Slicing-Funktionen direkt aus Produktionsanwendungen heraus zu konfigurieren und zu aktivieren.
Gerade bei großen Sportereignissen greifen viele Menschen gleichzeitig auf das Mobilfunknetz zu und teilen sich die verfügbare Kapazität einer Mobilfunkzelle. Das kann die Netze stark beanspruchen. Für eine reibungslose Live-Schalte müssen Video- und Audiosignale sowie Hilfsdienste dennoch parallel und zuverlässig übertragen werden – vom Kamerabild und Interviewton bis zu Verbindungen, über die Teams vor Ort das laufende Programm verfolgen und sich mit der Regie abstimmen. Genau an diesen Anforderungen setzte der gemeinsame Praxistest an. Vodafone und Telefónica nutzten Quality-on-Demand-APIs, um zeitlich begrenzt definierte Netzqualitätsmerkmale für ausgewählte Produktionsanwendungen bereitzustellen, während die Deutsche Telekom einen vom Netzbetreiber konfigurierten 5G Network Slice einsetzte.
- Abstimmung im Produktionsteam – Die Netz-API stellte die erforderliche Netzqualität für die Sprachverbindungen zwischen Regie, Kamerateams und Reportern bereit und hielt so die interne Kommunikation auch bei hoher Netzauslastung stabil.
- Mobile Video-Übertragung – Die Netz-API sicherte die erforderlichen Netzressourcen, um Bewegtbilder von Fan-Interviews, Aufnahmen aus dem Stadionumfeld und Halbzeit-Beiträgen zuverlässig an die Produktion zu übertragen.
- Live-Kommentierung – Die Netz-API stellte gezielt die notwendige Netzqualität für die Anbindung der Kommentatoren bereit und ermöglichte ihre zuverlässige Einbindung in die Produktionsumgebung.
- Echtzeit-Return-Feed – Die Netz-API stellte die erforderliche Netzqualität für den Echtzeit-Empfang des laufenden Programms bereit. So konnten Produktionsmitarbeiter, Reporter und Kamerateams ihre Einsätze besser mit der Live-Regie abstimmen.
- Kamera-Feed – Network Slicing sicherte ausreichend Bandbreite und eine konstante Datenrate für die zuverlässige Übertragung der Kamerabilder.
Einsatz von Quality on Demand und Network Slicing im DFB-Pokal
Den realen Praxistest lieferte das DFB-Pokal-Erstrundenspiel HEBC Hamburg gegen Borussia Dortmund (0:5) am 1. September 2026 im Hamburger Volksparkstadion. RTL Deutschland übertrug die Partie live – und bot damit die ideale Produktionsumgebung, um die Technologieansätze unter echten Sendebedingungen zu erproben. Die Ergebnisse zeigen, dass Quality on Demand und Network Slicing grundsätzlich geeignet sind, ausgewählte Workflows für Live-Produktionen über öffentliche Mobilfunknetze zu realisieren. Gleichzeitig lieferte der Praxistest wertvolle Erkenntnisse zum Zusammenspiel von Netzfunktionen, Endgeräten und Anwendungen – insbesondere bei videobasierten Workflows. Die gewonnenen Erfahrungen bilden damit eine wichtige Grundlage für die weitere technische Entwicklung und den zukünftigen Einsatz in Live-Produktionsumgebungen.
Unterscheidung zwischen Quality on Demand und Network Slicing
Quality on Demand richtet sich an Anwendungsentwickler und Anbieter digitaler Dienste. Entwickler können die standardisierte Netz-Schnittstelle (API) in ihre Anwendungen integrieren und vorübergehend netzseitige Qualitätsmerkmale für unterstützte Anwendungen nutzen, wenn ein konkreter Nutzer, ein Gerät oder eine Anwendungssitzung dies benötigt. Die Aktivierung erfolgt für definierte Anwendungsszenarien und unter Berücksichtigung der jeweils verfügbaren Netzressourcen.
Network Slicing ist ein vom Mobilfunknetzbetreiber verwaltetes Konnektivitätsprodukt. Es stellt eine auf die Anforderungen des jeweiligen Kunden abgestimmte Netzwerkumgebung bereit, zum Beispiel für einen stabilen Videostream einer Live-Berichterstattung. Der Dienst wird beim Mobilfunknetzbetreiber gebucht und von diesem mit den erforderlichen Netzeigenschaften bereitgestellt.
Über die Netz-API (Schnittstellen für Dienste wie Quality on Demand)
Im Rahmen der globalen GSMA-Open-Gateway-Initiative stellen Vodafone, Deutsche Telekom und Telefónica Deutschland standardisierte Schnittstellen zu ihren Mobilfunknetzen bereit. Über diese sogenannten Netz-APIs können Entwickler, Unternehmen und Cloud-Anbieter ausgewählte Netzfunktionen direkt in ihre Anwendungen und digitalen Dienste integrieren. Bei der Bereitstellung arbeiten die drei Netzbetreiber mit dem Technologiepartner Vonage – einer Tochtergesellschaft von Ericsson – zusammen.









