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Sat-Geschichte

27. August 2020

Um allen europäischen Ländern einen direkten Fernsehempfang aus der geostationären Umlaufbahn zu ermöglichen wurde auf der World Administrative Radio Conference (WARC) in Genf im Jahre 1977 ein weltweit verbindlicher Rundfunk-Satellitenplan und feste Orbitalpositionen für 112 Länder beschlossen. In Zeiten des modernen SAT-Empfangs erinnert über 43 Jahre später nur noch wenig an die damalige Aufteilung der Erdumlaufbahn, bei der selbst der Vatikan mit einer eigenen Position bedacht wurde.

Wie 1977 die Weltfunk­konferenz den TV-Empfang via Satellit beschließt

Die Weltfunkkonferenz (im englischen World Radio­communication Conference, WRC) entscheidet auf internationaler Ebene über die Belange des Funkwesens. Veranstalter ist die internationale Fernmeldeunion (ITU), eine Unterorganisation der Vereinten Nationen. Teilnehmer sind die ITU-Mitgliedstaaten wie auch Deutschland, welches von dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie sowie der Bundesnetzagentur vertreten wird. Die Vorgängerorganisation der WRC war bis 1982 die World Administrative Radio Conference (WARC), zu Deutsch Weltweite Funkverwaltungskonferenz.

Nutzung der geostatischen Umlaufbahn
Nutzung der geostatischen Umlaufbahnen (klicken zum Vergößern)
Geplante Nutzung gemäß WARC SAT-77 (blaue Beschriftung)
Aktuelle Nutzung (schwarze Beschriftung) *
* Nicht alle TV-Satelliten sind aus Deutschland empfangbar. Manche Ausleuchtzonen (Sat-Beams) gehen auf andere Regionen wie z. B. in den Nahen Osten oder die Mittelmeer-Region.

Bedeutende Beschlüsse der Konferenz

Am Anfang der Nutzung von Funkanlagen um die Jahrhundertwende 1900 unterlagen die meist privaten Betreiber keinerlei Auflagen oder Einschränkungen. Mit der zunehmenden Verbreitung von Funkanlagen und der Möglichkeit, per Funk größere Entfernungen zu überbrücken, ergab sich bald die Notwendigkeit einer internationalen Koordinierung. Das erste Mal kamen neun Staaten im Jahr 1903 in Berlin zu einer vorbereitenden Funktelegrafiekonferenz zusammen, um grundlegende Regelungen für den Seefunk zu besprechen. Diese Zusammenkunft wird heute allgemein als erste Konferenz in der Reihe der Weltfunkkonferenzen betrachtet. An einer zweiten Konferenz im Jahre 1906 wurde nochmals der Seefunk thematisiert und beispielsweise das Seenotzeichen SOS eingeführt.

Die dritte Konferenz 1912 in London, an der bereits 45 Staaten teilnahmen, stand ganz im Zeichen des Untergangs der Titanic, bei der wesentliche Mängel in der Funkkommunikation festgestellt wurden. So gab es keine einheitlichen Betriebszeiten und privat-betriebene Funkanlagen durften zum damaligen Zeitpunkt nur untereinander, aber nicht zu öffentlichen Stellen kommunizieren.

Die WARC SAT-77

Zwischen Januar und Februar 1977 tagten Vertreter von insgesamt 112 Ländern im schweizerischen Genf zum Thema eines weltweiten Rundfunk-Satellitenplans um geostationäre Orbitalpositionen für den gerade kommerziell anlaufenden Empfang aus dem Weltall festzulegen. Die verabschiedete Regelung galt mit einer Laufzeit von 15 Jahren ab dem 1. Januar 1979 und legte fest, dass jedes Land fünf TV-Programme (oder alternativ mehrere Radioprogramme) direkt vom einem in etwa 36.000 km Höhe in einer geostationären Umlaufbahn positionierten Satelliten abstrahlen darf. Diese Satelliten sollen jeweils im Abstand von 6° um den Äquator positioniert werden. Eine gemeinsame Position auf 19° West wurde u. a. Belgien, der Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Niederlande, Italien, Luxemburg, Österreich und der Schweiz zugewiesen. Die Verteilung der Positionen, welche teilweise von europäischen und afrikanischen Ländern gemeinsam genutzt werden sollte, setzte sich jedoch niemals durch und abgesehen von militärischen Satelliten einzelner Staaten wird die geostationäre Umlaufbahn heute von großen Satellitenbetreibern wie Astra und Eutelsat genutzt. Das Gastspiel von rein nationalen Fernsehsatelliten wie z. B. DFS Kopernikus und TV-Sat konnte sich, schon alleine aus wirtschaftlichen Gründen, niemals durchsetzen. Im Rückblick stellt die damals beschlossene Aufteilung ein spannendes Stück Technik-Geschichte dar, auf der man viele längst nicht mehr existierende Staaten genauso findet, wie auf 37° West die geplante Orbitalposition für die kleinsten Länder wie den Vatikan, Liechtenstein und Andorra.

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Sebastian Everding

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