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SATVISION inside (Teil 22) – So testen wir

21. Dezember 2017

Bei unseren Tests von TV-Geräten ist die Bedienung ein gewichtiges Bewertungskriterium. Eine besondere Bedeutung messen wir dabei den Betriebssystemen unserer Testkandidaten zu. Denn hier unterscheiden sich Hersteller und verschiedene Modellgenerationen zum Teil sehr deutlich voneinander. Das Betriebssystem eines Fernsehers ist gewissermaßen dessen Nervensystem und entscheidet darüber, wie intuitiv und funktional die Bedienung sich letztendlich gestaltet und auch wie flüssig der Anwender durch Menüs navigieren und Funktionen starten kann. Die TV-Hersteller gehen in den letzten Jahren sehr unterschiedliche Wege und setzen oft auf eigens entwickelte Benutzeroberflächen, die immer mehr an die von Mobilgeräten erinnern. Bei Set-Top-Boxen unterscheiden wir zudem zwischen geschlossenen und offenen (Linux-)Betriebssystemen. Letztgenannte bieten dem findigen Anwender die Möglichkeit, alternative Images für mehr (Extra-)Funktionen, Plugins und eigene Skins zu installieren. In diesem Teil unserer Reihe „SATVISION inside“ verraten wir, worauf es bei unseren Tests ankommt und was ein gutes Betriebssystem bei Fernsehern optimalerweise bietet.

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Individualisierung

Vom Laptop, Smartphone und Tablet sind wir es gar nicht anders gewohnt: Benutzeroberflächen lassen sich anpassen, mit einem eigenen Look versehen oder zumindest mit häufig genutzten Programmen oder Apps bestücken, so dass diese schneller zu erreichen sind. Auch bei modernen Fernsehern ist diese Möglichkeit zur Individualisierung (der Startseite) ein immer häufiger anzutreffendes Feature. So lassen sich beispielsweise bei LG Apps und bei Panasonic sogar Sender und Geräte an die Startseite anpinnen. Auch andere Hersteller bieten solche Funktionen. Hisense hat mit seinem neuen Betriebssystem VIDAA U ebenfalls eine anpassbare Startleiste eingeführt. Bei Set-Top-Boxen hat sich dieser Trend bislang noch nicht durchsetzen können.

Startseite

Die Startseite, auch Home-Screen – oder je nach Hersteller auch anders –, genannt ist bei vielen Smart-TVs und Set-Top-Boxen der Bildschirm von dem aus (meist) alle Funktionen aufgerufen werden können. Sie lässt sich mit dem Startmenü von Windows-Betriebssystemen vergleichen. Je nach Betriebssystem kann die Startseite von Fernsehern oder Receivern unterschiedlich aussehen. Bei Smart-TVs mit Sony und Philips (Android TV) ist der Startbildschirm leicht an das mobile Betriebssystem Android angelehnt. Bei Samsung (Tizen) und LG (webOS) wird am unteren Bildschirmrand eine Startleiste eingeblendet. Bei Panasonic (my Home Screen 2.0) und Hisense (VIDAA U) befindet sich diese zentral auf dem Bildschirm. Metz, Loewe (Loewe os) und Grundig (Smart Inter@ctive) nimmt der Home-Screen den ganzen Bildschirm ein.

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Favoriten

Zu einer anpassbaren Startseite gehören auch Favoriten, die sich daran anpinnen lassen, um häufig verwendete Apps, Video-on-Demand-Anbieter oder auch TV- und Radiosender, Funktionen und angeschlossene Geräte schneller aufrufen zu können. Je mehr Freiheiten der Nutzer bei der Auswahl und Anordnung seiner Favoriten erhält, umso positiver fällt unsere (Teil-)Bewertung aus.

Apps und Video-on-Demand

Apps und Video-on-Demand-Angebote wie Netflix, Amazon Video, Maxdome oder DAZN sind neben den Mediatheken die mit am meisten genutzten Smart-TV-Funktionen. Wichtig ist dabei neben einer flüssigen Bedienung vor allem eine gute Erreichbarkeit der Funktionen. Idealerweise lassen sie sich an die Startseite „anpinnen“, wie es die meisten modernen Smart-TVs mit anpassbarem Startbildschirm erlauben, oder sind von vorneherein dort zu finden, so dass der Anwender nicht lange nach seinem VoD-Anbieter oder der Musik-Streaming-App suchen muss. Somit gehören diese häufig genutzten Features wie andere auf die Startseite und falls der Hersteller die Interessen seiner Nutzer auf diese Weise berücksichtigt, fließt das positiv in unsere Bewertung mit ein.

Einheitliches Design

Wir legen bei unserer Beurteilung der Bedienung und der Benutzeroberfläche großen Wert darauf, dass sich nicht nur die Navigation flüssig und schlüssig gestaltet, sondern auch darauf, dass Startbildschirm, Menüs und andere herstellereigene Funktionen wie der EPG oder der Mediaplayer einheitlich gestaltet sind. Dadurch entsteht ein harmonisches und stimmiges Bediengefühl. Es gibt viele positive Beispiele für eine Benutzeroberfläche wie aus einem Guss. Als Gegenbeispiel führen wir an dieser Stelle Panasonic auf, die ihr Betriebssystem nur in Teilen modernisiert haben. So sieht das Einstellungsmenü immer noch etwas anders aus und der EPG ist in einem noch älteren Look gehalten. Das i-Tüpfelchen ist, wenn auch die Remote-App optisch dem Betriebssystem entspricht, wie es beispielsweise bei Loewe der Fall ist.

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Auflösung und Optik

Da zumeist jeder größere Fernseher heute mindestens die Full-HD-Auflösung mit 1.920 mal 1.080 Pixeln darstellen kann und viele sogar 4K mit 3.840 mal 2.160 Pixeln (dem Vierfachen von Full HD) sollten auch die Menüs von Fernsehern und Set-Top-Boxen diese Anzahl an Pixeln ausnutzen und entsprechend hochauflösend dargestellt werden. Ansonsten wirkt vor allem Text in den Menüs und im EPG schnell unscharf und verwaschen. Die Optik der Menüs und Bedienfelder ist letztendlich Geschmackssache. Der eine mag es bunt und poppig und wird sicher an dem Betriebssystem webOS 3.5 von LG mit dem comicartigen, asiatisch angehauchten Touch seine Freude haben. Wer sich gerne durch nüchtern präsentierte Menüs navigiert, tendiert wahrscheinlich eher zu Loewe oder Metz. Eine Reihe von Herstellern lässt sich auf der breiten Skala zwischen diesen beiden Polen einordnen.

Aufbau und Menüführung

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Aufbau und Menüführung sind essentiell dafür, wie sich der Anwender bei der alltäglichen Bedienung seines Fernsehers oder Receivers zurechtfindet. Daher fließt dieses Kriterium stark in unsere Teilbewertung des Betriebssystems ein. Sind die Menüs sehr verzweigt und verwinkelt, führt das zu einer schlechteren Bewertungen, wenn Funktionen leicht zu finden und Untermenüs flach wie auch logisch aufgebaut sind. Treffende Beispiele für eine gute Menüführung sind unserer Meinung nach Samsung-Fernseher mit dem neuen Betriebssystem Tizen 3.0 sowie die deutschen Hersteller Loewe, Metz und TechniSat.

Geschwindigkeit

Neben einer guten Menüführung ist die Bediengeschwindigkeit einer der wichtigsten Faktoren bei der Beurteilung eines Betriebssystems. Beide Kriterien gehen Hand in Hand und sorgen zusammen für eine flüssige und intuitive Bedienung. Und letztendlich beschert nur diese dem Anwender beim Verwenden seines Fernsehers oder Receivers frustfreien Komfort im Alltag. Grundsätzlich stellen wir mit der Erfahrung von rund 200 getesteten TV-Geräten allein in den letzten fünfeinhalb Jahren fest, dass die Betriebssysteme immer durchdachter sind und sich immer flüssiger bedienen lassen. Ausnahmen gibt es selbstverständlich immer noch, aber wie die jüngsten Tests der neuen QLED-Modelle von Samsung, aber auch seit Jahren die ausgereiften Fernseher von Loewe und Metz zeigen, ist den Herstellern an einer gelungenen Bedienung ihrer TV-Modelle gelegen.

Suchfunktion

Einige Hersteller wie die von Fernsehern mit Android-Betriebssystem, aber auch beispielsweise Samsung mit seinen Tizen-TVs haben eine Suchfunktion an Bord. Diese lassen sich meist per Texteingabe – was entweder recht umständlich per Fernbedienung oder falls möglich mit einer angeschlossenen USB-Tastatur – bewerkstelligen. Praktisch ist, wenn zusätzlich eine sprachgesteuerte Suchfunktion geboten wird, wie viele sie vom Laptop, Mobilgerät oder neuerdings von Assistenten wie Amazon Alexa kennen. Der deutsche TV-Hersteller Metz hat auf der IFA übrigens angekündigt, bald erste Smart-TVs mit Alexa-Sprachsteuerung auf den Markt bringen zu wollen.

Empfehlungen

Wird ein Smart-TV mit dem Netzwerk und dem Internet verbunden, sendet er automatisch und unbemerkt Daten an den Hersteller und Dritte. Unter anderem dient das dazu, das Nutzerverhalten zu analysieren. Mit den gewonnenen Informationen kann der Smart-TV dann Inhalte oder TV-Sendungen vorschlagen, die zu dem passen, was der Anwender regelmäßig konsumiert. Solche Funktionen dürften beispielsweise Stream- und VoD-Zuschauer von Netflix, Amazon und Co. kennen und die meisten Internetnutzer auch vom Online-Shopping. Android-Fernseher zeigen beispielsweise auf der Startseite YouTube- und Video-on-Demand-Inhalte an, die nach längerer Nutzung immer bessere Treffer anzeigen sollen.

Zusatzinformationen

Wer den Startbildschirm seines Tablets oder Smartphones aufruft, sieht dort meist nicht nur Apps, Spiele und Funktionen, sondern auch Zusatzinformationen wie die Uhrzeit, das Wetter und die Empfangsstärke des Funknetzes oder sonstiger Verbindungen. Einige Hersteller haben in Anlehnung an mobile Betriebssysteme ihre Startbildschirme ebenfalls mit nützlichen Infos ausgestattet, die dem Nutzer beim Aufrufen des Startbildschirms zum Beispiel Uhrzeit und Wetter anzeigen. Bei Fernsehern mit Android-Betriebssystem kann hier auch die (sprachgesteuerte) Suchfunktion gestartet werden.

Einstellungen

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In den Einstellungen können Anwender verschiedenste Funktion (de-)aktivieren. Welche das sind und in welchem Umfang Anpassungen vorgenommen werden können, hängt von Hersteller und Modell ab. Die wesentlichen Einstellungen, die in jedem Fall vorhanden sein sollten, sind „Bild“, „Ton“, „Sender“ und „System“. Sofern vorhanden sind auch die Netzwerkeinstellungen wichtig, um beispielsweise eine LAN- oder WLAN-Verbindung zu konfigurieren. Je besser wir uns in den Menüs für die TV- und Receiver-Einstellungen zurechtfinden, umso besser fällt unsere Bewertung unterm Strich aus.

Elektronisches Handbuch

Ein gelungenes Betriebssystem wird von einem elektronischen Handbuch komplettiert. Dieses befindet sich im Speicher des Fernsehers und erspart den ein oder anderen Blick in die gedruckte Bedienungsanleitung, sofern eine solche überhaupt vorhanden ist. Im Idealfall bietet das e-Manual eine Suchfunktion, einen Index und ein nach Themen sortiertes Inhaltsverzeichnis. Das Vorhandensein und die Übersichtlichkeit sowie den Umfang des elektronischen Handbuchs belohnen wir mit Extrapunkten.

Offene Linux-Betriebssysteme

Im Gegensatz zu den geschlossenen Betriebssystemen von Fernsehern und vielen Receivern gibt es einige Hersteller, die sich auf Linux-Boxen mit offenen Betriebssystemen spezialisiert haben. Die bekanntesten sind Dream Property, Gigablue, Vu+, Edision, Venton, Atemio und Coolstream. Enigma2 ist das am weitesten verbreitete offene Betriebssystem. Daneben existieren noch Neutrino HD und TitanNit. Alle drei basieren auf Linux. Der große Vorteil dieser offenen Linux-Receiver ist, dass sie Modifikationen durch den Benutzer zulassen, die weit über das Anpassen der Startseite hinausgehen. Die umfassendste Konversion ist ein alternatives Image. Dabei handelt es sich um eine umfangreiche Modifikation des zugrundeliegenden Betriebssystems in einen neuen Ableger. VTI ist beispielsweise ein Enigma2-Ableger für Vu+-Receiver. Dieses beinhaltet neue Skins, neue Plugins und neue Funktionen, die nicht Bestandteil des Original-Images sind. Einen ausführlichen Ratgeber zum Thema Linux-Betriebssysteme haben wir in der SATVISION-Ausgabe Juli 2015 und auf satvision.de veröffentlicht.

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